10 Tipps für einen guten Start als Betriebsrat

Nach den Betriebsratswahlen dauert es oft nicht lange, bis zum ersten Mal so richtig die Messer gewetzt werden. Das Erstaunliche: Die Auseinandersetzungen werden oft nicht mit dem Arbeitgeber ausgetragen, sondern innerhalb des neu gewählten Gremiums. Viele verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Vorstellungen treffen hier aufeinander, ohne professionelle Vorbereitung ist Streit geradezu programmiert. Bevor der Betriebsrat seine eigentlichen Aufgaben angeht, sollten die Mitglieder deshalb unbedingt grundlegende Punkte ihrer Zusammenarbeit klären. Ansonsten kommt es häufig zu Misstrauen, Enttäuschungen und einer vergifteten Arbeitsatmosphäre. Sehr hilfreich kann es dabei sein, einen Workshop oder eine Klausurtagung mit einem externen Berater zu machen. „Das ist eine absolut lohnende Investition für jeden Betriebsrat“, sagt Geschäftsführer Giovanni Sciurba von der auf Veränderungs- und Gesundheitsmanagement spezialisierten Unternehmensberatung GS Consult GmbH aus Oldenburg. „Durch regelmäßige, wenn möglich sogar jährliche Klausuren wird die Arbeit von Betriebsratsteams professionalisiert und deutlich effizienter.“

GS Consult gibt den neu zusammengestellten Betriebsratsteams folgende 10 Tipps:

#1 Klärung der Erwartungshaltung

Sofort nach der Wahl des neuen Betriebsrates klären die Mitglieder in einem offenen Gespräch, welche Erwartungen sie an das Gremium und an sich gegenseitig haben.

#2 Frage der Motivation

Jedes Betriebsratsmitglied ist sich über seine Motivation im Klaren. Warum habe ich mich in den Betriebsrat wählen lassen und was genau bewegt mich individuell?

#3 Engagement

Die Betriebsräte machen sich Gedanken darüber, zu wie viel persönlichem Engagement sie im Rahmen ihrer Tätigkeit bereit sind und wo ihre Grenzen liegen.

#4 Rollenverständnis

Das Gremium tauscht sich darüber aus, was von Mitgliedern mit besonderen Aufgaben wie dem Betriebsratsvorsitzenden oder Ausschussvorsitzenden erwartet wird.

#5 Erwartungen der Belegschaft

Die Belegschaft setzt in der Regel große Hoffnungen in den Betriebsrat. Es wird möglichst zeitnah besprochen, wie diese Erwartungen aussehen und ob innerhalb des Gremiums Einigkeit darüber herrscht.

#6 Umgang mit dem Arbeitgeber

Konflikte mit der Arbeitgeberseite lassen sich nicht immer vermeiden. Wichtig ist, dass offen darüber kommuniziert wird, welche Erwartungen die Unternehmensführung hat und wie damit umgegangen wird. Auch bei der Kommunikation mit der Arbeitgeberseite gibt es eine einheitliche, selbstbewusste Linie.

#7 Vorgehen im Konfliktfall

Im Betriebsrat selbst kann es aufgrund der vielen verschiedenen Persönlichkeiten und Ziele immer wieder mal zu Auseinandersetzungen kommen. Bereits im Vorfeld werden Handlungsmöglichkeiten für den Konfliktfall besprochen.

#8 Festlegung von Zielen

Um als Betriebsrat geschlossen auftreten zu können, ist es unerlässlich, Ziele, Themen und Prioritäten des Gremiums vor Beginn der eigentlichen Arbeit gemeinsam zu konkretisieren.

#9 Schritt für Schritt handeln

Neugewählte Betriebsräte vermeiden es besser, alle anstehenden Probleme auf einmal lösen zu wollen und gehen stattdessen lieber eine Sache nach der anderen an. Andernfalls drohen Überforderung und Verdruss.

#10 Aneignung der wichtigsten Kenntnisse

Die neuen Betriebsratsmitglieder machen sich schnell mit den wichtigsten Aspekten des Betriebsverfassungsgesetzes und dem Arbeitsrecht vertraut. Ohne grundlegende Kenntnisse ist eine Arbeit auf Augenhöhe mit erfahreneren Betriebsräten nur schwer möglich.