Arbeitswelt: Es bleibt kein Stein auf dem anderen

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt derzeit äußerst entspannt ist. Mit 2,325 Millionen Jobsuchenden vermeldete die Bundesagentur für Arbeit im Juli die niedrigste Erwerbslosenzahl für diesen Monat seit 25 Jahren, die Erwerbstätigkeit ist auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Der positive Eindruck täuscht allerdings: Trotz der guten Zahlen befindet sich die Arbeitswelt durch Faktoren wie Digitalisierung und intensiver Globalisierung in einem massiven Wandel. „Dabei bleibt kein Stein auf dem Anderen“, sagt Giovanni Sciurba, der Geschäftsführer der Unternehmensberatung GS Consult aus Oldenburg.

Statistik: Wie häufig haben Sie in Ihrem Arbeitsleben schon den Arbeitgeber gewechselt? | Statista

Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt nimmt zu

Konsequenz dieses Wandels ist, dass sich in vielen Unternehmen die Aufgabenprofile der Mitarbeiter stark verändern und es dadurch auch häufiger zu Trennungen kommt. Laut einer Studie der Europäischen Kommission (Quelle: www.statista.com) haben in Deutschland 66 Prozent der Bevölkerung in ihrem Arbeitsleben bis zu fünf Mal den Arbeitgeber gewechselt, sieben Prozent sogar schon bis zu zehn Mal. Arbeitnehmer, die ihr gesamtes Berufsleben im gleichen Job bei einer Firma verbringen, sind dagegen mit gerade einmal 14 Prozent mittlerweile die absolute Ausnahme. Diese Entwicklung bestätigt auch die Statistik der Bundesagentur für Arbeit, wonach die Zahl der begonnenen Beschäftigungsverhältnisse 2017 mit fast 10,9 Millionen einen neuen Höchststand erreichte.

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt

Ein wesentlicher Grund für die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ist die Digitalisierung. Wie eine Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, ist die Hälfte aller bestehenden Arbeitsplätze zumindest latent von Maschinen und künstlicher Intelligenz bedroht. Rund 14 Prozent der Jobs werden sogar als „hoch automatisierbar“ eingestuft. Das wirksamste Mittel, um Jobverluste zu vermeiden, ist laut der OECD die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern in gefährdeten Bereichen. Wie groß die drohenden Veränderungen sind, belegt auch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach könnten bis 2035 in einer voll digitalisierten Arbeitswelt alleine in Deutschland bis zu 1,5 Millionen Jobs verschwinden. Diese dramatisch klingende Zahl wird allerdings dadurch relativiert, dass dafür im Gegenzug ähnliche viele neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen wie zum Beispiel der IT-Branche entstehen sollen.

Vielen Unternehmen fehlt eine professionelle Trennungskultur

Durch den Wandel bekommt das Trennungs- und Veränderungsmanagement in den Unternehmen unweigerlich eine zunehmende Bedeutung. Immer häufiger stehen Führungskräfte vor der unangenehmen Aufgabe, Mitarbeitern Veränderungen oder gar Entlassungen mitteilen zu müssen. Wirklich vorbereitet sind die meisten Firmen darauf offenbar nicht: Bei der Kienbaum-Studie „Trennungsmanagement 4.0“ aus dem März 2016 gaben 70 Prozent der Befragten an, dass es in ihrem Unternehmen keine Trennungskultur gibt. Zwei Drittel der Führungskräfte werden nicht auf das Führen von Trennungsgesprächen vorbereitet. In einzelnen Branchen liegt dieser Wert sogar bei bis zu 85 Prozent. Die Werte sind insofern erstaunlich, dass sich laut der Studie 70 Prozent der Befragten darüber im Klaren sind, dass unprofessionell ablaufende Trennungen in vielerlei Hinsicht einen negativen Einfluss auf Unternehmen haben.