Mehr Gesundheit – mehr Ertrag

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung: Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich nicht nur eine gesetzliche Vorschrift, sondern auch eine große Chance. Wie Ihr Unternehmen diese nutzen kann und was Sie sonst noch dazu wissen sollten, lesen Sie hier.

 

 

Die rechtlichen Grundlagen

Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2013 verpflichtet das Arbeitsschutzgesetz (§ 5) Unternehmen ausdrücklich dazu, bei der Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsbedingungen auch psychische Belastungen zu berücksichtigen. Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) von Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern hat daraufhin konkrete Richtlinien zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung entwickelt. Aufsichtspersonen kontrollieren bei Betriebsprüfungen auf dieser Basis, ob die Gefährdungsbeurteilung angemessen durchgeführt wurde. Zuständig hierfür sind die Berufsgenossenschaften.

 

Das Grundprinzip

Eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung besteht laut Empfehlung der Gemeinsamen Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) aus insgesamt sieben Schritten, die regelmäßig wiederholt werden sollten:

– Festlegen von Tätigkeiten/Bereichen

– Ermittlung der psychischen Belastung

– Beurteilung der psychischen Belastung

– Entwicklung von Maßnahmen

– Durchführung der Maßnahmen

– Wirksamkeitskontrolle

– Dokumentation

Ziel dieser Schritte ist es, strukturell die Arbeitsbedingungen im Unternehmen auf Stärken und Schwächen bezüglich der psychischen Belastung zu überprüfen. Somit wird eine Handlungsgrundlage zur Verbesserung oder Erhaltung der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter geschaffen. Richtig durchgeführt liefert die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung wertvolle Hinweise zur Personal- und Organisationsentwicklung eines Unternehmens.

 

Der Inhalt

Die Inhalte einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung orientieren sich an vier wesentlichen Merkmalsbereichen von Arbeitsbedingungen. Diese sind branchen- und tätigkeitsübergreifend und daher grundsätzlich zu berücksichtigen. Überprüft werden Arbeitsinhalt beziehungsweise Arbeitsaufgabe der Mitarbeiter, die Organisation der Arbeit, die sozialen Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten und die Arbeitsumgebung und -mittel. Ein immer wichtiger werdender zusätzlicher Bereich betrifft neue Arbeitsformen zum Beispiel durch räumliche Mobilität oder zeitliche Flexibilisierung.

 

Die Methoden

Es gibt mehrere Methoden, mit denen eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung durchgeführt werden kann. Welche gewählt wird, hängt in erster Linie von der Unternehmensstruktur und -größe, den zeitlichen und finanziellen Ressourcen sowie dem konkreten Ziel der Untersuchung ab. Neben häufig eingesetzten Mitarbeiterbefragungen sind Beobachtungsinterviews, strukturierte Interviews und moderierte Analyseworkshops ebenfalls adäquate Möglichkeiten, um Daten zur Beurteilung der Gefährdungssituation im Unternehmen zu gewinnen. Die Auswertung der Daten bezieht sich immer auf Mitarbeitergruppen (zum Beispiel Abteilungen oder Berufsklassen) und nie auf einzelne Beschäftigte. Oft werden die Methoden auch kombiniert eingesetzt, um bestmögliche Ergebnisse zu erhalten. Was für ein Unternehmen die beste Wahl ist, können externe Experten in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen im Betrieb individuell abstimmen. Vorteile einer externen Durchführung sind der unverstellte Blick von außen, die Einhaltung der wissenschaftlichen Gütekriterien sowie externe Vergleichsmöglichkeiten.

 

Der Nutzen

Die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung sollte von Unternehmen nicht bloß als lästige Erfüllung von Vorschriften angesehen werden, sondern auch als eine große Chance. Schließlich wirken sich die Verbesserung beziehungsweise der Erhalt der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter durch geringere Fehlzeiten zwangsläufig auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Weitere positive Folgen sind motiviertere und konzentriertere Mitarbeiter, die bessere Leistung bringen und weniger Fehler machen. Häufig reicht das Drehen kleiner Stellschrauben aus, um die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter und ihre Effektivität deutlich zu erhöhen. Welche Stellschrauben das im einzelnen Fall sind, wird durch die Gefährdungsbeurteilung identifiziert. Was für positive Auswirkungen das haben kann, haben wir zum Beispiel bei einem Unternehmen erlebt, das eine extreme Fluktuation von neu eingestellten Mitarbeitern verzeichnete. Bei der Gefährdungsbeurteilung kam heraus, dass die Neulinge sofort immer an Brennpunkten eingesetzt und mit Arbeit überhäuft wurden. Die Folge war eine massive Überbelastung. Nachdem eine gründliche Einarbeitungsphase eingeführt und die Arbeitsfelder umstrukturiert wurden, ging die Fluktuation innerhalb kurzer Zeit gegen Null. In anderen Fällen wiederum half bereits die Einführung von Feedback-Gesprächen der Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern, um das gesamte Arbeitsklima erheblich zu verbessern.