Suchterkrankungen - Ein teures Problem für Unternehmen

Suchterkrankungen – Ein teures Problem für Unternehmen

Suchterkrankungen im Unternehmen
Bis zu fünf Prozent der Beschäftigten sind alkoholabhängig.

Ein Schnaps in der Arbeitspause oder der Griff zur Beruhigungspille: Der Missbrauch von Suchtmitteln am Arbeitsplatz betrifft Mitarbeiter*innen in nahezu jedem Unternehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu fünf Prozent aller Beschäftigten in Deutschland Alkoholprobleme haben. Nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, konsumieren 9,5 Millionen Menschen Alkohol in “gesundheitlich riskanter Form”, rund 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig.

Medikamentenmissbrauch ist weit verbreitet

Ähnlich erschreckend ist die Situation bei den Arzneimitteln:  Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind bundesweit bis zu 1,5 Millionen Menschen von Medikamenten abhängig. Ein Großteil davon nimmt regelmäßig Schmerz-, Beruhigungs- oder Schlafmittel. Weitere Problemfelder sind Medienabhängigkeit und Glücksspielsucht, die jeweils rund ein Prozent der Beschäftigten betreffen.

Hohe Kosten durch Suchterkrankungen

Die finanziellen Auswirkungen von Suchterkrankungen für Unternehmen sind gravierend. Allein durch die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum entstehen pro Jahr volkswirtschaftliche Kosten von insgesamt knapp 40 Milliarden Euro. Ein erheblicher Faktor ist in diesem Zusammenhang, dass die Fehlzeiten bei einem riskanten Konsum von Suchtmitteln zunehmen. Laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK werden dadurch jährlich fast 2,5 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage verursacht. Die Untersuchungen besagen, dass alkoholkranke Arbeitnehmer*innen mehr als doppelt so oft krank sind und sogar sage und schreibe 16 Mal häufiger kurzfristig fehlen als der Rest der Belegschaft.

Leistungsfähigkeit nimmt stark ab

Gleichzeitig verringert sich die Produktivität auch bei suchtbedingtem Präsentismus. Damit sind Beschäftigte gemeint, die zum Beispiel alkoholisiert zur Arbeit kommen, ohne voll leistungsfähig zu sein. Dies zeigt sich zum Beispiel durch ein unregelmäßiges Arbeitstempo, zunehmende Fehler und Konzentrationsschwäche. Wenn Kolleg*innen in der Folge Tätigkeiten der Betroffenen miterledigen müssen, kann sich dies zudem negativ auf das Betriebsklima auswirken.

Unfallgefahr steigt bei Suchtmittelkonsum stark an

Ein weiteres großes Problem ist die erhöhte Gefahr von Unfällen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielen Suchtmittel bei rund 20 Prozent aller Arbeitsunfälle eine Rolle. Bereits bei einem Blutalkoholwert von 0,3 Promille verringert sich die Konzentrationsfähigkeit spürbar und die Unfallgefahr nimmt zu. Das Gleiche gilt auch bei der missbräuchlichen Einnahme von Arzneimitteln. Der Konsum von Beruhigungs- und Schlafmitteln kann beispielsweise zu verlangsamten Reaktionen, unsicheren Bewegungen und Wahrnehmungstäuschungen führen.

Prävention zahlt sich aus

Diese Fakten machen deutlich, wie wichtig es ist, dass sich Führungskräfte intensiv mit dem Thema Suchtprävention beschäftigen. Durch frühzeitige Intervention können sie das Unternehmen und die betroffenen Beschäftigten vor langfristigen negativen Folgen bewahren. Sogar gesetzlich ist ihre Fürsorgepflicht geregelt. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet jeden Arbeitgeber dazu, Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einzuleiten. Dies betrifft auch Risiken, die durch den Konsum von Suchtmitteln entstehen. Finanziell lohnt sich ein verantwortungsvoller Umgang mit Suchterkrankungen ebenfalls: Untersuchungen belegen, dass sich Investitionen in betriebliche Maßnahmen zur Suchtprävention bereits nach kurzer Zeit rentieren.