Unprofessionelle Trennungen sprechen sich schnell herum

Bei Trennungsgesprächen im Job steht nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter, sondern auch für die Unternehmen viel auf dem Spiel. Welch enorme Bedeutung ein professionelles Trennungsmanagement hat, erläutert der Geschäftsführer der Unternehmensberatung GS Consult aus Oldenburg, Giovanni Sciurba, im Interview.

Welche negativen Auswirkungen kann ein mangelhaftes Trennungsmanagement für ein Unternehmen haben?

Giovanni Sciurba: Trennungen sind grundsätzlich immer schwierig, das weiß jeder aus dem Privatleben. Für Unternehmen wird es dann problematisch, wenn Trennungsgespräche unprofessionell ablaufen. Im digitalen Zeitalter, in dem wir leben, teilen die Menschen sehr schnell ihre Erfahrungen mit anderen. Es gibt zum Beispiel Bewertungsportale, wo Mitarbeiter über ihre Firmen schreiben. Gerade durch die sozialen Netzwerke verbreitet es sich natürlich schnell, wenn nicht professionell mit Trennungen umgegangen wird. Dann ist ein Unternehmen schnell mit dem Image behaftet, seine Mitarbeiter menschenunwürdig zu behandeln. Eine Folge kann sein, dass es künftig schwieriger wird, gute und motivierte neue Mitarbeiter zu finden. Ein weiteres Problem sind mögliche wirtschaftliche Auswirkungen. Es ist davon auszugehen, dass Menschen, die sich ungerecht behandelt fühlen, viel eher dazu neigen, das Unternehmen zu verklagen. Dieses Risiko kann bei einem professionellen Trennungsmanagement fast auf null gesenkt werden. Bei größeren Entlassungswellen wiederum ist es unheimlich wichtig, die Belegschaft von Beginn an offen über die Pläne zu informieren, um alle Mitarbeiter – auch die verbleibenden – so wenig wie möglich zu verunsichern. Das ist ein umfangreicher Prozess, der erst bei der Nachbetreuung der Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, aufhört. In einer Phase der Veränderung, die mit schmerzhaften Einschnitten verbunden ist, wird das oft vernachlässigt.

Wie kann ein Unternehmen andererseits von einem professionellen Umgang mit Kündigungen und Veränderungen profitieren?

Sciurba: Bei einzelnen Trennungen, wenn es mit einem Mitarbeiter nicht passt, ist ein respektvoller Umgang mit dem Betroffenen als Mensch wichtig. Das verhindert nicht nur Rechtsstreitigkeiten, sondern führt auch dazu, dass die Motivation und Loyalität der verbleibenden Kollegen nicht leidet. Es bekommt ja schließlich jeder mit, wie solche Situationen beziehungsweise Konflikte gelöst werden. Wenn der Umgang damit professionell abläuft, spricht sich das natürlich positiv im Sinne des Unternehmens herum. Bei einer größeren Restrukturierung bringt ein vernünftig aufgesetzter Prozess zudem auch bessere Ergebnisse für beide Seiten.

Warum fällt es vielen Führungskräften so schwer, Trennungs- und Veränderungsgespräche zu führen?

Sciurba: Grundsätzlich lässt sich sagen, dass niemand gerne unangenehme Gespräche führt – und Trennungsgespräche fallen nun einmal in diese Kategorie. Das Problem ist, dass die meisten Führungskräfte nicht Führungskräfte geworden sind, um solche Gespräche zu führen, sondern eher um Dinge aufzubauen und voranzubringen. Wir haben es manchmal mit Personen zu tun, die jahrzehntelang nur eingestellt haben und dann plötzlich in eine neue Situation kommen, mit der sie sich noch nie auseinandergesetzt haben. Deswegen fällt es in ihnen so schwer, bei Trennungen professionell zu agieren.

Was bringt in solchen Situationen der Einsatz von externen Beratern?

Sciurba: Führungskräfte brauchen im Bereich des Trennungs- und Veränderungsmanagements häufig selbst Unterstützung, die wir zum Beispiel durch Trainings und Seminare anbieten. Unter anderem in Rollenspielen wird dabei geübt, wie trotz der schwierigen Botschaft ein menschlich wertschätzendes Gespräch geführt werden kann. In der Praxis zeigt sich, dass schlecht vorbereitete Führungskräfte die Trennungsnachricht aus Unsicherheit entweder knallhart und unvermittelt überbringen oder aber so lange um das eigentliche Thema herumreden, bis der Betroffene den Kern der Botschaft kaum noch versteht. Dann droht ein Gespräch schnell zu eskalieren. Deshalb ist es unheimlich wichtig, solche Situationen durch praktische Übungen zu simulieren. Alle Unternehmen, mit denen wir arbeiten, bestätigen das. Manchmal empfiehlt es sich zudem, bei Trennungen in enger Abstimmung mit den Betroffenen einen neutralen Dritten hinzuzuziehen, der die Emotionen dämpft und das Ganze ohne eigene Betroffenheit betrachten kann. Das führt in der Regel zu einer Versachlichung des gesamten Prozesses. Außerdem können so dem Mitarbeiter besser Perspektiven und Chancen aufgezeigt werden. In der aufgeladenen Atmosphäre einer Trennung wird das ohne externe Hilfe häufig vernachlässigt.